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Moderne Netzsteuerung mit der BDEW API: Wie Netzbetreiber steuerbare Verbraucher und Erzeuger netzdienlich steuern

Die Digitalisierung der Energiewende stellt Netzbetreiber vor die Aufgabe, Stromnetze auch bei steigenden Anteilen erneuerbarer Energien sicher und stabil zu betreiben. Ein zentrales Element ist dabei die BDEW API, über die eine standardisierte, sichere und schnelle Kommunikation zwischen Netzbetreibern, Messstellenbetreibern und den steuerbaren Verbrauchern & Erzeugern wie Wärmepumpen oder PV-Anlagen ermöglicht wird.

Insbesondere die Umsetzung der netzorientierten Steuerung nach § 14a EnWG stellt dabei hohe Anforderungen an die Kommunikationsprozesse zwischen den Marktrollen.

Funktionsweise der Steuerung

Der Steuerungsprozess beginnt beim Netzbetreiber. Über eine IT-Plattform werden relevante Netzbereiche überwacht. Wird ein Netzengpass erkannt, erstellt der Netzbetreiber einen Gruppensteuerbefehl für den betroffenen Bereich. Dieser wird automatisiert in Einzelsteuerbefehle aufgelöst und über die BDEW API an die jeweiligen Messstellenbetreiber weitergeleitet.

Beim Messstellenbetreiber werden diese Anweisungen in konkrete Steuerbefehle für die lokalen Steuerboxen übersetzt und an die Endgeräte (z. B. Wärmepumpen, Wallboxen) übermittelt. Die Steuerboxen bestätigen den Empfang zurück, sodass der Netzbetreiber nahezu in Echtzeit erkennen kann, ob der Steuerbefehl umgesetzt wurde. Die Kommunikation erfolgt verschlüsselt und weitgehend automatisiert – ein Eingreifen der Endkunden ist nicht erforderlich.

Der Netzbetreiber bleibt dabei fachlich steuernd, während der Messstellenbetreiber als technischer Intermediär die Umsetzung der Steuerung an den Geräten verantwortet.

Sicherheit und Geschwindigkeit

Ein entscheidender Vorteil der BDEW API ist die hohe Geschwindigkeit und Prozesssicherheit. Die Bundesnetzagentur verlangt, dass im Falle eines Netzengpasses binnen fünf Minuten nach Erkennung eine Steuerung umgesetzt wird – ein Wert, der mit der BDEW API technisch abbildbar ist. Die Kommunikation erfolgt verschlüsselt über sichere Zertifikate, sodass Datenschutz und Integrität der Befehle gewährleistet sind.

Vorteile für Netzbetrieb und Energiewende

  • Flexibles, situationsabhängiges Management von Verbrauch und Einspeisung.
  • Netzdienliches Lastmanagement bei steigender Anzahl steuerbarer Geräte.
  • Open-Standard-Schnittstellen erleichtern die Integration in bestehende Systeme.
  • Zukunftsfähigkeit für neue Anwendungen wie dynamische Tarife oder innovative Geschäftsmodelle.

Fazit

Mit der BDEW API steht Netzbetreibern ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem sich zentrale technische Herausforderungen der Energiewende strukturiert adressieren lassen. Die Steuerung per Standard-API schafft die nötigen Grundlagen, um Netze stabil zu halten – auch bei hoher Durchdringung mit Wärmepumpen, Wallboxen und Photovoltaik-Anlagen.

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Porträt einer Mitarbeiterin im schwarzen Blazer vor hellem Hintergrund

Juliane Förster

Business Analyst, imovis

Seit 2025 entwickelt Juliane Förster bei imovis den wettbewerblichen Messstellenbetrieb weiter – mit Fokus auf Regulatorik, Prozessinnovation und Informationssicherheit. Erfahrung an der Schnittstelle von Markt, Technik und Organisation bringt sie aus über 15 Jahren im Produktmanagement der Medizintechnik und vom Schwesterunternehmen KALO mit.

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